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ISO 11228

ISO 11228 ist eine internationale Normenreihe zur ergonomischen Bewertung der manuellen Handhabung von Lasten. Sie behandelt Tätigkeiten wie Heben, Senken, Tragen, Ziehen und Schieben und verfolgt das Ziel, körperliche Belastungen so zu gestalten, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen – insbesondere Rückenbeschwerden – vermieden werden. Die Norm liefert einen international anerkannten Rahmen zur ergonomischen Gestaltung von Tätigkeiten der manuellen Lastenhandhabung.

Die drei Teile der Normenreihe

Die ISO 11228 gliedert sich in drei eigenständige Teile, die jeweils unterschiedliche Formen der Lastenhandhabung behandeln:

ISO 11228-1 – Heben, Senken und Tragen

Der erste Teil behandelt das Anheben, Absetzen und Tragen von Objekten ab einer Masse von 3 kg. Als Ausgangspunkt für die Bewertung nennt die Norm eine Referenzmasse von 25 kg unter idealen Bedingungen. Dieser Wert ist kein pauschal zulässiges Höchstgewicht, sondern wird abhängig von Faktoren wie Körperhaltung, Greifbedingungen, Hubhöhe, Häufigkeit und Dauer der Tätigkeit angepasst. Methodisch orientiert sich die ISO 11228-1 an der NIOSH-Hebeformel, einem international anerkannten Verfahren zur ergonomischen Bewertung von Hebevorgängen.

ISO 11228-2 – Ziehen und Schieben

Der zweite Teil betrachtet die Ganzkörperkräfte beim horizontalen Bewegen von Lasten, beispielsweise beim Schieben von Transportwagen oder Rollbehältern.

ISO 11228-3 – Geringe Lasten bei hoher Häufigkeit

Der dritte Teil adressiert repetitive Tätigkeiten mit kleinen Lasten, wie sie etwa in Montage- oder Kommissionierprozessen vorkommen. Im Mittelpunkt steht die Bewertung von Belastungen der oberen Extremitäten.

In Deutschland und Europa werden die drei Teile als DIN EN ISO 11228 übernommen.

Was die Norm regelt

Die ISO 11228 stellt einen ergonomischen Bewertungsrahmen für die manuelle Lastenhandhabung bereit. Sie unterstützt dabei, arbeitsbedingte körperliche Beanspruchungen systematisch zu erfassen und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Nicht abgedeckt sind das reine Halten von Objekten ohne Gehen, die Handhabung im Sitzen sowie das Handhaben von Personen oder Tieren. Für die Handhabung von Personen gilt der ergänzende Technische Bericht ISO/TR 12296; statische Körperhaltungen behandelt die ISO 11226.

Rechtlicher Rahmen und Normung im Arbeitsschutz

In Deutschland bildet die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) den rechtlichen Rahmen für die manuelle Handhabung von Lasten. Die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz; die Lastenhandhabungsverordnung konkretisiert die Anforderungen an Tätigkeiten mit körperlicher Belastung. Die ISO 11228 liefert hierfür ein international anerkanntes Verfahren zur ergonomischen Beurteilung manueller Lastenhandhabung. Im Maschinenkontext ergänzen die Normen der Reihe EN 1005 die Anforderungen an die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsmitteln.

Leitmerkmalmethode (LMM)

Für die praktische Bewertung körperlicher Beanspruchungen wird in Deutschland häufig die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) entwickelte Leitmerkmalmethode (LMM) eingesetzt. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Tätigkeiten beim Heben, Tragen, Ziehen und Schieben systematisch zu beurteilen und Maßnahmen zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen abzuleiten. Die Methode wird häufig ergänzend zur DIN EN ISO 11228 eingesetzt.

Ergonomische Maßnahmen und Hebelösungen

Ergibt die Analyse nach ISO 11228 ein erhöhtes Risiko, kommen technische, organisatorische oder ergonomische Maßnahmen infrage. Dazu zählen beispielsweise Hebehilfen, Vakuum-Hebegeräte oder die Anpassung von Arbeitsabläufen, um die manuelle Lastenhandhabung ergonomischer zu gestalten und gesundheitliche Risiken langfristig zu reduzieren.

Verwandte Begriffe

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) regelt die Sicherheit am Arbeitsplatz und schreibt Gefährdungsbeurteilungen vor.

Häufig gestellte Fragen

Ist die ISO 11228 in Deutschland gesetzlich verpflichtend?

Die ISO 11228 selbst ist nicht verpflichtend; die rechtliche Pflicht ergibt sich aus der Lastenhandhabungsverordnung und dem Arbeitsschutzgesetz. Die Norm gilt jedoch als anerkanntes Verfahren, um die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung manueller Lastenhandhabung fachlich fundiert umzusetzen.

Gilt die ISO 11228-1 auch für Lasten unter 3 kg?

Nein. Die ISO 11228-1 gilt für Objekte ab 3 kg. Leichtere, aber sehr häufig gehandhabte Lasten werden über die ISO 11228-3 (geringe Lasten bei hoher Häufigkeit) bewertet.

Wann wende ich die ISO 11228 statt der Leitmerkmalmethode an?

Die Leitmerkmalmethode dient der orientierenden Erstbewertung, die ISO 11228 der vertieften Beurteilung bei erhöhtem Risiko. Zeigt die LMM ein kritisches Belastungsniveau an oder ist eine international einheitliche Bewertung gefordert, liefert die ISO 11228 das detailliertere Verfahren.

Wie unterstützen Hebehilfen die Anforderungen der ISO 11228?

Hebehilfen und Vakuum-Hebegeräte übernehmen das Lastgewicht und senken die körperliche Belastung unter die kritischen Werte der ISO 11228. Damit lassen sich Tätigkeiten, die ohne Hilfsmittel die empfohlenen Grenzwerte überschreiten würden, ergonomisch und normkonform gestalten.

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