Fahrerloses Transportsystem (FTS)
Ein fahrerloses Transportsystem (FTS) ist ein innerbetriebliches Fördersystem aus mehreren fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF, englisch Automated Guided Vehicle oder AGV), einer übergeordneten Leitsteuerung und der zugehörigen Infrastruktur. Es transportiert Material ohne Fahrer zwischen festgelegten Stationen in Lager, Produktion und Montage.
- AGV (Automated Guided Vehicle)
FTS, FTF und AGV — was die Begriffe unterscheidet
Die drei Abkürzungen werden im Sprachgebrauch häufig gleichbedeutend verwendet. Fachlich bezeichnen sie unterschiedliche Ebenen:
- FTS (Fahrerloses Transportsystem): Gesamtsystem aus Fahrzeugen, Leitsteuerung und Infrastruktur
- FTF (Fahrerloses Transportfahrzeug): das einzelne Fahrzeug
- AGVS (Automated Guided Vehicle System): Gesamtsystem, englisch
- AGV (Automated Guided Vehicle): das einzelne Fahrzeug, englisch
Daraus folgt: Das englische Gegenstück zu FTS ist nicht AGV, sondern AGVS. Wer von „einem AGV" spricht, meint ein Fahrzeug – wer von „einem FTS" spricht, meint die gesamte Anlage. Für die Praxis ist die Unterscheidung dort relevant, wo Leistungsdaten verglichen werden: Die Durchsatzangabe eines Systems lässt sich nicht mit der Nutzlast eines Fahrzeugs zusammenbringen.
Woraus ein fahrerloses Transportsystem besteht
Ein FTS ist mehr als eine Gruppe von Fahrzeugen. Vier Bestandteile bilden das System:
- Fahrzeuge (FTF): Unterfahr-, Hubwagen-, Gabelstapler- oder Schleppervarianten, ausgelegt auf Ladungsträger und Nutzlast.
- Leitsteuerung: verwaltet Transportaufträge, verteilt sie auf die Fahrzeuge, regelt den Verkehr an Kreuzungen und Engstellen und überwacht die Auslastung.
- Kommunikation: die Datenverbindung zwischen Fahrzeugen und Leitsteuerung sowie die Schnittstelle zum Lagerverwaltungssystem.
- Peripherie: Ladestationen, Übergabestationen, Brandschutz- und Tortechnik, Lastaufnahmemittel.
Die Leistungsfähigkeit eines FTS entscheidet sich meist nicht am einzelnen Fahrzeug, sondern an der Leitsteuerung und am Layout. Engstellen, Einbahnstrecken und die Zahl der Übergabepunkte begrenzen den Durchsatz häufig früher als die Fahrzeuggeschwindigkeit.
Welche Normen und Standards für FTS gelten
Für Planung, Betrieb und Abnahme fahrerloser Transportsysteme ist im deutschsprachigen Raum die Richtlinienreihe VDI 2510 maßgeblich. Vier Regelwerke bestimmen die Praxis:
- VDI 2510: Grundlagendokument der Richtlinienreihe; definiert Anforderungen und Parameter für Planung und Abnahme.
- VDI 2510 Blatt 2: sicherheitstechnische Anforderungen an FTS und mobile Roboter für Hersteller, Integratoren und Betreiber.
- DIN EN ISO 3691-4: Sicherheitsanforderungen an fahrerlose Flurförderzeuge und ihre Systeme.
- VDA 5050: offene, herstellerübergreifende Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Leitsteuerung
VDA 5050 verdient besondere Aufmerksamkeit. Der Standard beschreibt, wie ein Fahrzeug mit einer übergeordneten Leitsteuerung kommuniziert. Wer darauf setzt, kann Fahrzeuge verschiedener Hersteller in einer gemeinsamen Flotte betreiben und ist nicht an das Steuerungssystem eines einzelnen Lieferanten gebunden.
FTS oder AMR — worin sich die Konzepte unterscheiden
Beide Konzepte transportieren Material ohne Fahrer. Der Unterschied liegt im Grad der Autonomie:
| Merkmal | Klassisches FTF | AMR |
|---|---|---|
| Routenführung | vorab definierte Fahrwege | freie Navigation, Route wird laufend berechnet |
| Infrastruktur | Magnetspur, Induktionsschleife oder Reflektoren möglich | keine bauliche Infrastruktur erforderlich |
| Hindernis im Weg | Fahrzeug hält an und wartet | Fahrzeug umfährt das Hindernis |
| Layoutänderung | Anpassung der Infrastruktur nötig | Anpassung in der Software |
| Typische Stärke | hoher, konstanter Durchsatz auf festen Strecken | wechselnde Ziele, häufige Layoutänderungen |
Diese Gegenüberstellung beschreibt zwei Enden eines Spektrums, keine scharfe Grenze: Viele moderne fahrerlose Transportfahrzeuge navigieren ebenfalls frei und weichen Hindernissen aus. Fachverbände und Richtlinien fassen beide Konzepte deshalb zunehmend unter dem Oberbegriff der mobilen Robotik zusammen.
Verwandte Begriffe
Häufig gestellte Fragen
Wie orientiert sich ein fahrerloses Transportfahrzeug im Gebäude?
Fahrerlose Transportfahrzeuge orientieren sich je nach Systemgeneration über Magnetspuren oder Induktionsschleifen im Boden, über Reflektormarken an Wänden und Regalen, über optische Marken wie QR-Codes oder über die Gebäudekontur ohne zusätzliche Markierungen. Das gewählte Verfahren bestimmt maßgeblich den baulichen Aufwand bei einer späteren Layoutänderung.
Wann ist ein fahrerloses Transportsystem (FTS) die bessere Wahl als ein autonomer mobiler Roboter (AMR)?
Ein Fahrerloses Transportsystem (FTS) ist die bessere Wahl als ein Autonomer Mobiler Roboter (AMR), wenn auf starren, unveränderten Transportstrecken dauerhaft hohe Taktzahlen bei maximalem Durchsatz gefordert sind.
Ein klassisches spurgeführtes FTS spielt seine Stärken vor allem unter folgenden Bedingungen aus:
- Statische Prozesse: Der Materialfluss und das Hallenlayout bleiben über Jahre hinweg unverändert.
- Hohe Taktraten: Es werden große Transportvolumina auf fest definierten Punkt-zu-Punkt-Strecken bewegt.
- Getrennte Fahrwege: Der Verkehrsbereich ist weitgehend von Personenverkehr und unvorhersehbaren Hindernissen freigehalten.
- Wirtschaftlichkeit: Bei sehr einfachen Transportaufgaben bietet das FTS oft geringere Anschaffungskosten (CAPEX) und eine hochgradig planbare Instandhaltung.
Wofür wird ein fahrerloses Transportsystem (FTS) typischerweise eingesetzt?
in Fahrerloses Transportsystem (FTS) wird typischerweise für den hochstandardisierten, wiederkehrenden Materialtransport zwischen fest definierten Punkten in der Produktion und Intralogistik eingesetzt.
Zu den typischen Einsatzbereichen eines FTS gehören:
- Montage- und Linienversorgung: Taktgebundene Bereitstellung von Bauteilen und Rohmaterialien an Fertigungsstraßen und Arbeitsplätzen.
- Lager- und Werksverkehr: Anbindung von Wareneingang, Zwischenlagern und Warenausgang über längere, unveränderte Hallenstrecken.
- Palettentransport: Automatisiertes Handling schwerer Ladungsträger und Fertigwaren zum Versandbereich.
- Prozessverknüpfung: Zuverlässiger Transfer von Werkstücken zwischen einzelnen, räumlich getrennten Bearbeitungsstationen.
