Mit Rückenwind durch die Schicht
Säcke mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht lassen sich dank Exoskelett MATE UTB inzwischen fast mühelos bewegen.
Pfeffer kitzelt in der Nase, Kräuter verströmen ihre ätherischen Öle und Gewürzmischungen entfalten ihr volles Aroma. Was für Besucher ein sinnliches Erlebnis ist, bedeutet für die Beschäftigten vor allem körperlich anspruchsvolle Handarbeit. Sie heben Kartonagen, öffnen Säcke und füllen die Produkte in große Misch- und Mahlbehälter. Die Aufgaben wirken unspektakulär, doch sie verlangen dem Körper viel ab, denn mehrere Tonnen müssen Tag für Tag bewegt werden.
Brecht ist ein traditionsreicher Bio-Anbieter von Würzmitteln. Firmengründer Eduard A. Brecht legte 1925 den Grundstein und seit den 30er-Jahren setzt der Betrieb auf Zutaten aus ökologischem Anbau. Heute ist die Gewürzmühle Teil der Albert Darboven Holding und produziert mit 34 Beschäftigten in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe Kräuter sowie Gewürzmischungen für Handel und Endverbraucher. Das Sortiment umfasst mehrere hundert Artikel. Bio-Qualität, Nachhaltigkeit, umfassende Sozialstandards und sorgfältige Verarbeitung prägen die Unternehmensphilosophie.
Wo Routine auf die Muskeln geht
Im Produktionsalltag ist viel Handarbeit gefordert. Die Beschäftigten heben pro Schicht rund 50 Säcke und Kartonagen mit bis zu 30 Kilogramm. Hinzu kommen Kunststofffässer mit 60 oder 120 Litern Fassungsvermögen. Auch die Mischprozesse verlangen Kraft und Ausdauer. Mehrere hundert Mal pro Tag bewegen die Mitarbeitenden dabei bis zu drei Kilogramm schwere Handschaufeln, um Zutaten aus den Gebinden zu entnehmen, die Gewürze zu sieben und sie anschließend in größere Behälter umzufüllen.
Diese repetitive Schwerarbeit kann zu Verschleißerscheinungen am Bewegungsapparat führen. Brecht verzeichnete pro Quartal durchschnittlich fünf Tage krankheitsbedingte Ausfälle durch Muskel-Skelett-Erkrankungen. Operation Manager Dominik Bittmann wollte diesen Zustand nicht länger hinnehmen und suchte nach einer Lösung. „Unser Ziel war, die Gesundheit unserer Beschäftigten zu schonen. Als positiven Nebeneffekt erwarteten wir eine Steigerung der Produktivität“, betont er.
Unterstützung genau dort, wo Belastung entsteht
Mit dem MATE UTB bietet Schmalz ein Oberkörper-Exoskelett für Tätigkeiten mit erhobenen Armen und wiederkehrenden Bewegungen. Das körpergetragene Assistenzsystem unterstützt Muskeln und Gelenke rein mechanisch. Es benötigt keine externe Energiequelle wie Batterien oder Druckluft. Das Exoskelett nimmt die Kraft beim Absenken der Arme auf und gibt sie beim Anheben wieder ab. Deshalb ist das Gerät extrem leicht und schränkt die Bewegungsfreiheit nicht ein.
Die Konstruktion kombiniert eine stabile Carbonfaser-Struktur mit textilen Elementen. Dadurch trägt sich das Exoskelett komfortabel und ermöglicht eine ergonomische Körperhaltung. Es passt sich individuell an Statur sowie Arbeitsweise an und unterstützt genau dort, wo Bewegung, Kraft und Ergonomie zusammenkommen. Die Stoffteile wie Gurte und Polsterung lassen sich abnehmen und reinigen. Das erleichtert die hygienische Nutzung in der Lebensmittelproduktion.
Praxisnah statt theoretisch
Die Lösung von Schmalz überzeugte nicht allein wegen der technischen Daten, sondern aufgrund der praktischen Vorführung direkt am Arbeitsplatz. Die Fachkräfte waren von Anfang an in den Entscheidungsprozess mit einbezogen und konnten das Exoskelett bei einem Vor-Ort-Besuch von Schmalz ausgiebig testen. „Dabei beeindruckte der Vorher-Nachher-Unterschied die Kolleginnen und Kollegen sofort“, erinnert sich Dominik Bittmann.
Gerade bei ergonomischen Assistenzsystemen spielt die Akzeptanz der Belegschaft eine zentrale Rolle. Ein Produkt bewährt sich erst dann, wenn es im Alltag spürbar entlastet und die Arbeit nicht komplizierter macht. Genau hier punktet das MATE UTB. Das Exoskelett lässt sich schnell anlegen und sofort einsetzen. Aufwendige Schulungen sind nicht nötig.
Mehr Leistung bei weniger Belastung
Die Effekte zeigen sich inzwischen deutlich im Produktionsalltag. Die Zahl der Hebevorgänge stieg bei Säcken und Kartonagen pro Acht-Stunden-Schicht von 50 auf 60. Bei Schaufelbewegungen erhöhte sich die Zahl im gleichen Intervall von 700 auf 800. Parallel verringerte sich die Dauer der einzelnen Hebebewegungen. Für Kartonagen und Säcke sank die Zeit von drei auf zwei Sekunden, bei Schaufeln von zwei auf eine Sekunde.
Die Fehlerquote ist der Punkt, an dem sich der Qualitätsgewinn für Brecht besonders klar zeigt: Früher kam es zu durchschnittlich 30 falschen Hebevorgänge pro Schicht, heute liegt diese Zahl bei null. Die Beschäftigten arbeiten durch die Entlastung konzentrierter und ermüden deutlich langsamer. Zu den Ausfällen durch Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen nach der kurzen Einsatzzeit noch keine aussagekräftigen Angaben vor.
Dominik Bittmann lobt das MATE UTB: „Uns gefallen die einfache Anwendung und der flexible Einsatz bei den täglichen Aufgaben. Die Mitarbeitenden werden spürbar entlastet und unsere Produktivität ist auch gestiegen.“ Damit wird aus einem technischen Assistenzsystem ein Werkzeug für moderne Arbeitsplätze. Oder anders gesagt: In der Gewürzproduktion tragen heute nicht mehr allein die Schultern der Mitarbeitenden die Last.
Bei manuellen Hebeaufgaben wie dem Beladen von Mischern und Mühlen, das in Brusthöhe und über Kopf stattfindet, unterstützt das Exoskelett die Mitarbeitenden.
Keine Fehler, zufriedene Beschäftigte, hohe Produktivität – für die Gewürzmühle Brecht hat sich die Entlastung der Belegschaft gelohnt.
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